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20. Juli 2020

wdk: Moving in circles / Broschüre zur Kreislaufwirtschaft

Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) hat unter dem Titel Moving in Circles eine Broschüre zur Kreislaufwirtschaft veröffentlicht. Darin werden das nationale Kreislaufwirtschaftssystem für Kautschuk und Elastomere anschaulich dargestellt und erstmals die entsprechenden Stoffströme quantifiziert. 

(Quelle: wdk)

(Quelle: wdk)

„Das Leitmotiv des Kreislaufwirtschaftskonzepts der Kautschukindustrie lautet ‚von Energie zu Energie‘“, erläutert wdk-Hauptgeschäftsführer Boris Engelhardt. „Energieträger werden in Kautschukprodukte überführt und die eingesetzte Primärenergie wird am Ende des Lebenszyklusses weitgehend zurückgewonnen.“ Pro Jahr fielen rund 800 000 t Altelastomere an, was etwa 0,2 % des gesamten deutschen Abfallaufkommens entspreche. Hiervon würden 250 000 t wiederverwendet, 160 000 t für neue Produkte genutzt und 390 000 t zur Energie- und Zementgewinnung eingesetzt.

In der Kautschukindustrie werden nachwachsender Naturkautschuk und Synthesekautschuke verwendet. Dabei haben beide ihre ganz speziellen Einsatzgebiete und lassen sich in Produkten nicht beliebig austauschen. Neben Kautschuken sind Chemikalien und Füllstoffe für die Kautschukverarbeitung zu Mischungen und Fertigerzeugnissen unverzichtbar. Diese unterscheiden sich in Technische Elastomererzeugnisse (GRG General Rubber Goods) und Reifen. An dieser Zweiteilung orientiert sich auch die Darstellung der Kreislaufwirtschaft in der neuen Broschüre.

Besonders weit ist die deutsche Kautschukindustrie bei der Verwertung von Altreifen. Diese werden entweder energetisch oder stofflich recycelt. Beim energetischen Recycling ersetzen sie etwa in Abfallbehandlungsanlagen oder der Zementherstellung aufgrund ihres hohen Brennwertes fossile Brennstoffe und im Falle von Zement noch weitere für den Zementklinker erforderliche Rohstoffe. Beim stofflichen Recycling von Altreifen gibt es drei wesentliche Verwertungswege: Am häufigsten erfolgt die Granulierung mit dem Ziel der Verwertung des Granulats in Folgeprodukten wie Laufbahnen, Stallmatten oder Kunstrasenplätzen. Ein weiterer Verwertungsweg ist der Einsatz von gekapselten, granulierten Altreifen als Schwingungsdämpfer im Bauwesen. Wegen Vorbehalten der deutschen Oberbehörden ist diese Form der Verwertung jedoch aktuell durch staatliche Regulierung weitgehend versperrt. Beim dritten Verwertungsweg, der Zersetzung des Altreifens in seine Ausgangsmaterialien (Pyrolyse), wird noch an der Wirtschaftlichkeit des Verfahrens gearbeitet.

Der Anteil des stofflichen Recyclings am gesamten Reifenrecycling ist in den vergangenen 20 Jahren von unter 50 % auf über 66 % gestiegen. Seit Anfang dieses Jahres dokumentiert die Branchen-Initiative New Life Anwendungen und sichere, hochwertige Folgeprodukte.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 72 000 t Naturkautschuk sowie 261 000 t Synthesekautschuk zu Technischen Elastomererzeugnissen verarbeitet. Ihre Produktbreite ist groß und reicht von Kondomen und medizinischen Handschuhen über Automobilbauteile, Schläuche, Walzen oder Förderbänder bis hin zu Dichtungen für Bauwerke. Kautschukprodukte sind hier aufgrund ihrer Langlebigkeit oder Elastizität unverzichtbar und in vielen Fällen unersetzbar.

Produkte zum einmaligen Gebrauch werden über den Medizin- oder Hausmüll entsorgt, wobei meist eine thermische Verwertung erfolgt und so die eingesetzte Primärenergie am Ende des Lebenszyklusses zurückgewonnen wird. Bei großen Bauteilen wie etwa Transportbändern wird bereits heute eine Wiederaufbereitung praktiziert. Bei kleinteiligen Bauteilen wie Dichtungen ist eine Sammlung sowie sortenreine Rückgewinnung des Kautschuks weder wirtschaftlich noch technisch realisierbar. Es werde aber geforscht, ob und wie sich bereits in der Konzeptionsphase eines Elastomerprodukts eine spätere Trennbarkeit der Materialien realisieren lasse, erklärt Engelhardt. „Außerdem befassen sich derzeit mehrere Kautschukbranchenverbände mit einem innereuropäisch grenzüberschreitenden Kreislaufwirtschaftsansatz.“

Boris Engelhardt zieht ein positives Fazit. „Unsere Bestandsaufnahme zeigt, dass die Kreislaufwirtschaft in der Kautschukindustrie grundsätzlich funktioniert. In erster Linie ist das aber dem Engagement der Unternehmen und weniger der politischen Unterstützung zu verdanken. Zunehmend wird unsere Branche mit einer Regulierung konfrontiert, die die privatwirtschaftlichen Anstrengungen bei Nachhaltigkeit und Regulierung behindert.“ Als Beispiele nennt Engelhardt die Untersagung der stofflichen Altgummi-Verwertung in Gebäuden, die Verschärfung der Haftungsgrundsätze für Händler bei Bedarfsgegenständen aus Altgummi und die Regulierung bei Gummigranulat in Deutschland und der EU. „Eine stärkere Einbindung der Branchenexperten in die politischen und behördlichen Entscheidungsprozesse ist immer wünschenswert. Für eine auch in Zukunft funktionierende Kreislaufwirtschaft ist sie aber unabdingbar.“

Die Broschüre kann auf der Internetseite des wdk kostenlos heruntergeladen werden.

www.wdk.de

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