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01. Dezember 2017

H&R nimmt regelflexible Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage in Betrieb

Die H&R Ölwerke Schindler GmbH, eine Tochtergesellschaft der H&R GmbH & Co. KGaA, hat auf ihrem Raffinerieareal in Hamburg-Neuhof eine neue regelflexible Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage in Betrieb genommen, ausgerüstet mit der PEM (Protone Exchange Membrane)-Technologie. „Regelflexibel“ bedeutet, dass die Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage kurzfristige Mehrangebote aus der Stromproduktion, etwa durch Windenergieanlagen, zur Herstellung von Wasserstoff nutzen kann. Schon heute gehen 2 % des möglichen Stroms verloren, weil in Deutschland temporär mehr Strom produziert als verbraucht wird. In der Konsequenz werden Photovoltaik- und Windkraftanlagen abgeschaltet. Im Norden Deutschlands gehen sogar rund 15 % des Strompotenzials verloren, so heißt es.

Herzstück der Anlage ist ein von der Siemens AG hergestellter Elektrolyseur mit einer elektrischen Leistung von 5 Megawatt, der jährlich mehrere 100 t Wasserstoff produzieren soll – Wasserstoff, der nicht wie üblich der Energiegewinnung dient, sondern in den Prozessen der Raffinerie als Ressource wertschöpfend eingesetzt werden soll. Laut Unternehmen wurden mehr als 10 Mio. EUR in die Errichtung der Anlage investiert. „Wir sind sehr stolz, dass wir mit H&R hier die bislang größte Anlage ihrer Art weltweit realisieren durften“, sagte Michael Weiss, Projektverantwortlicher bei Siemens in Hamburg. Siemens setzt seit Jahren auf dezentrale Energie- und Speichersysteme und macht sich für deren Etablierung im Rahmen der Energiewende stark.

2,5 Mio. EUR der Investitionssumme vermittelte die Hamburger Umweltbehörde aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union, deren Mittel gezielt zur Förderung von Innovation und nachhaltigem Wachstum eingesetzt werden. Nach Angaben von H&R, wird der Wasserstoff innerhalb der eigenen Produktionsprozesse eingesetzt, um damit Spezialprodukte aus Mineralöl – etwa Paraffine, Weiß- oder Prozessöle, die für die Weiterverarbeitung in Käserinden, Lippenstiften, Druckfarben oder Autoreifen hergestellt werden – zu gewinnen.

„Tatsächlich ist für uns die Herstellung von Wasserstoff aus Wasser und Strom jedoch nur der erste Schritt unserer Langfristplanung“, erklärte Niels H. Hansen, Geschäftsführer der H&R KGaA. „Perspektivisch wollen wir unsere bestehenden Anlagen und Standorte weiterentwickeln. Unsere heute überwiegend fossilen Rohstoffe sollen zukünftig zunächst durch nachwachsende Quellen und auf lange Sicht durch synthetisierte Produkte, CO2-neutral erzeugt mit nachhaltiger Energie, ergänzt werden“, betont Hansen. „Wir nutzen unsere bestehenden Anlagen, stellen uns aber zugleich der ökologischen Verantwortung und richten das Unternehmen somit nachhaltig erfolgreich aus.“

Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff können als Pufferspeicher genutzt werden und stabilisieren in Phasen hoher alternativer Stromerzeugung die Netze. Gleichzeitig wird der so gewonnene Wasserstoff in der Raffinerie als „Rohstoff“ für die Prozesse eingesetzt. „Sektorenkopplung heißt das Stichwort“, erklärte Hansen und betonte noch einmal die Verknüpfung des Energiesektors Strom mit einer stofflichen Verwendbarkeit des Wasserstoffs im industriellen Maßstab. „Wir sehen uns in diesem Bereich als echten Innovationsführer.“

Derzeit setzt H&R noch auf den Basisrohstoff Mineralöl. „Viel zu schade zum Verbrennen“, sagte Detlev Wösten, Geschäftsführer der H&R KGaA und im Unternehmen verantwortlich für Raffinerietechnologien. Nach Angaben von H&R hat man durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Raffinerieprozesse, wie Destillation, Raffination und Entparaffinierung, es geschafft, den Anteil der bei der Produktion anfallenden Reststoffe in den letzten Jahren auf knapp 25 % zu reduzieren. Reststoffe, die etwa als Heizöl verbrannt werden. Dazu hat die 2011 nach Investitionen von rund 45 Mio. EUR eröffnete Propan-Entasphaltierungsanlage beigetragen. „Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen“, so Hansen. „Bis 2020 werden wir 90 % des Mineralöls für hochwertige Anwendungen verwerten.“ Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage geht H&R einen weiteren Schritt in Richtung ihres Konzepts „Grüne Raffinerie“.

www.hur.com

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