28. Mai 2019

Verbände fürchten erhebliche Auswirkungen durch vorgesehene Einstufung von TiO2

Kaum ersetzbar, massive Einschränkung für die Produktqualität und Produktvielfalt, schlecht für etablierte Verwertungswege – so sieht das Fazit einer aktuellen Untersuchung der Kunststoffindustrie, der Pigmenthersteller und der Recycler aus, sollte Titandioxid (TiO2) für die Kunststoffproduktion wegfallen. Die Studie ist eine Reaktion auf die Pläne der Europäischen Kommission, das Weißpigment als möglicherweise krebserzeugend einzustufen. Die Industrie sieht keinen Grund für eine solche Einstufung, da bestehende strenge Grenzwerte und Regularien den ordnungsgemäßen und sicheren Gebrauch von TiO2 garantieren. Darüber hinaus konnten verschiedene Langzeitstudien keine Gesundheitsrisiken für Beschäftigte im Umgang mit dem Stoff feststellen, so heißt es.

TiO2 ist nicht nur ein wichtiger Rohstoff für Farben, Kosmetika und Medikamente, sondern ist in nahezu allen verarbeiteten Kunststoffen enthalten, dabei in fast 50 % mit Gehalten über 1 %. Ziel der Studie war es, sowohl Fakten über die Verwendung von TiO2 bei der Kunststoffverarbeitung zu erhalten als auch die Auswirkungen im Hinblick auf die Verwertung von Kunststoffabfällen zu ermitteln. Im Falle einer Einstufung könnten all diejenigen Kunststoffabfallströme, die mehr als 1 % TiO2 enthalten, insbesondere aus dem Bau- und Abbruchbereich, zu gefährlichem Abfall werden. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Für die Kunststoffindustrie gibt es aufgrund seiner technischen Eigenschaften derzeit keine Alternative zu TiO2.
  • Die aktuelle Befragung von Kunststoffverarbeitern stützt die bisherige Befürchtung, nach denen eine Einstufung zu einer massiven Einschränkung in der Anwendungsbreite von Kunststoffprodukten führen würde.
  • Kunststoffverpackungsabfälle, die über Leichtverpackungssysteme erfasst werden, können durch die Sortierung in einzelnen Kunststofffraktionen punktuell zu TiO2-Gehalten oberhalb von 1 % führen. Hiervon sind aktuell etwa 400 000 t Kunststoffe betroffen, die derzeit einem werkstofflichen Recycling zugeführt werden.
  • Im Baubereich sind insbesondere die heute fest etablierten Erfassungs- und Verwertungssysteme zum Beispiel für Fensterprofile betroffen; hier weisen mehr als 90 % TiO2-Gehalte von mehr als 1 % auf.
  • Am Beispiel der Abfallwirtschaft zeigt sich, dass die möglichen Folgen einer Einstufung von TiO2 als krebserregend konträr zur EU- Kunststoffstrategie stehen würden. So müssten Kunststoffabfälle, die mehr als 1 % TiO2 enthalten, demnach künftig als gefährliche Abfälle behandelt und könnten nicht mehr wie bisher recycelt werden.

Die Studie legt dar, dass durch eine Einstufung von TiO2 insbesondere für Wirtschaft und Verwaltung mit nachteiligen Auswirkungen sowohl bei der Herstellung und Anwendung von Kunststoffprodukten als auch beim Recycling zu rechnen ist.

www.plasticseurope.org
www.bkv-gmbh.de

Die Studie wurde im Auftrag von Plastics­Europe, der AGPU – Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt, BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, BKV GmbH, bvse – Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, GKV – Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie und VDMI – Verband der Mineralfarbenindustrie erstellt. Eine Kurzfassung kann auf den Webseiten der Auftraggeber kostenlos heruntergeladen werden. 
URL: https://www.gupta-verlag.de/nachrichten/technik/22883/verbaende-fuerchten-erhebliche-auswirkungen-durch-vorgesehene-einstufung-von-tio2