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17. Juni 2020

Continental: Riemen statt Getriebe für Windanlagen von Goldwind

Das Technologieunternehmen Continental stattet Windräder des chinesischen Windkraftanlagen-Herstellers Xinjiang Goldwind Science and Technology mit Antriebsriemen aus.

Die Riemen von Continental sorgen dafür, dass sich die Rotorblätter ohne den Einsatz von Getrieben und Hydraulik verstellen lassen. (Quelle: Continental)

Die Riemen von Continental sorgen dafür, dass sich die Rotorblätter ohne den Einsatz von Getrieben und Hydraulik verstellen lassen. (Quelle: Continental)

Die am deutschen Standort Dannenberg hergestellten Riemen sorgen in der patentierten und weltweit einzigartigen Konstruktion dafür, dass sich die Rotorblätter auch ohne den Einsatz von Getrieben und Hydraulik jederzeit verstellen lassen. Bei der Entwicklung der Riemen haben die Ingenieure auf zwei bewährte Zahnriementechnologien zurückgegriffen und diese optimal miteinander kombiniert. Um den Bedarf des chinesischen Unternehmens an über 100 km Antriebsriemen jährlich zu decken, hat Continental bereits 2018 rund 2 Mio EUR Euro an seinem niedersächsischen Standort in eine neue Anlage investiert.

Zahnriemen als effiziente Alternative zu komplexen Getrieben

Goldwind ist einer der wenigen Anbieter auf dem Markt, der für die Flügelverstellung, die wichtig wird, um flexibel auf sich ändernde Windstärken reagieren zu können, einen Antrieb ohne Getriebe einsetzt. „Goldwind setzt auf Zahnriemen“, sagt Rolf Marwede, der den Continental-Standort in Dannenberg leitet. „Das hat einige Vorteile: Die Anlage ist oben in der Gondel, also dem Maschinenhaus, weniger komplex und dadurch weniger anfällig für Schwingungen und Störungen. Außerdem sind unsere Riemen sehr verschleißarm sowie langlebig.“

Die Riemen von Continental benötigen laut Unternehmen kein Öl zur Schmierung, sind insgesamt sehr wartungsarm und auch weitestgehend gegen Korrosion beständig. Letzteres ist gerade in Offshore-Windanlagen ein wesentlicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Metallkonstruktionen, die permanenter Salzwasserluft ausgesetzt sind. „Eine einfachere Konstruktion mit Antriebsriemen ist im Gegensatz zu Getriebelösungen auch kostengünstiger und auf lange Sicht effizienter“, sagt Marwede. Ein schneller Austausch bei einem Defekt sei ebenso leicht möglich, da nur der Riemen getauscht wird, nicht aber ein gesamtes Getriebe.

Das Beste aus zwei Produktgruppen vereint

Für Goldwind war es wichtig, eine wartungsarme und einfachere Alternative zur herkömmlichen Getriebelösung zu entwickeln. Die gewählte Riemenlösung passte genau ins Profil und basiert auf der Synchrodrive-Technologie von Continental: Im Riemeninneren sind verzinkte Stahlcorde verarbeitet, ummantelt werden sie von Polyurethan, das sowohl Zähne und Riemenrücken ausstattet und eine hervorragende Bindung zum Zugträger bildet. Polyurethan gilt als besonders abriebfest.

Die beiden gegenläufigen Schlagrichtungen der Stahlcorde und ihrer Litzen bewirken ein neutrales Laufverhalten, sodass die Riemen extrem belastbar sind. Rund 12 Mio. Biegewechsel sind dabei keine Seltenheit. Das Besondere an den bei Goldwind eingesetzten Riemen ist allerdings das Spezialgewebe, das am Continental-Standort in Northeim gefertigt wird. Hier nutzt der Spezialist für Antriebsriemen sein Know-how aus der Synchrochain-Technologie. „Das Gewebe wirkt verschleiß- und geräuschmindernd und gibt dem Zahnriemen eine deutlich stabilere Struktur. So können wir die Leistungsfähigkeit des Riemens noch mal deutlich erhöhen“, erklärt Marwede. Das Gewebe verstärkt die Zähne und verbessert das Einlaufverhalten, was wiederum der Effizienz zu Gute kommt. „Im Endeffekt bringen wir hier zwei Produktgruppen zusammen und haben dadurch die ideale Lösung für die Goldwind-Anwendung entwickelt.“

Kapazität für zukünftige Produktionserweiterungen

Continental produziert die Riemen für Goldwind am Standort Dannenberg, der innerhalb des Unternehmens ein Kompetenzzentrum für die Fertigung von Polyurethanriemen darstellt. Dafür hat das Technologieunternehmen im vergangenen Jahr eine neue Anlage installiert. Die neue im Jahre 2017 gebaute Halle, in der die Anlage in Betrieb ist, bietet Platz für weitere Produktionserweiterungen. „Wir können an einem Standort sowohl Synchrodrive- als auch Synchrochain-Riemen anbieten und beide Produkttypen wie bei der Goldwind-Anwendung miteinander verknüpfen. Das ist einzigartig und macht uns als Partner sehr viel schlagkräftiger“, fasst Marwede zusammen.

Wind als saubere Alternative und Ergänzung zu anderen Energieträgern

Continental sieht in seiner Partnerschaft mit Goldwind einen wichtigen Eckpfeiler, um die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung noch weiter in den Fokus zu rücken. Neben Antriebsriemen liefert das Unternehmen auch Lagerungselemente, Folien, die den Windwiderstand reduzieren, und Hydraulikleitungen an den Windkrafthersteller.

Wind ist eine unbegrenzte Ressource. Windkraftanlagen gelten als sauber und der daraus gewonnene Windstrom als ideale Ergänzung zu anderen Energieträgern. Weltweit waren Ende 2019 Windkraftanlagen mit rund 650 Gigawatt Gesamtleistung installiert. Zum Vergleich: 40 Gigawatt würden ausreichen, um alle deutschen Haushalte mit Strom zu versorgen. Mit einer installierten Leistung von weit mehr als 200 Gigawatt ist China der mit Abstand größte Windmarkt der Welt.

www.continental-industry.com

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