Wechseln zu

09. Januar 2018

Produktionskapazitäten für Biokunststoffe steigen weltweit

Im Rahmen der 12. European Bioplastics Konferenz, die Ende November 2017 in Berlin stattfand, hat European Bioplastics, die Interessenvertretung der europäischen Biokunststoffindustrie, seine aktuelle Marktdatenauswertung vorgestellt. Demnach wird sich der positive Wachstumstrend der Biokunststoffbranche weiterhin fortsetzen.

Source: European Bioplasctics

Source: European Bioplasctics

„Der Markt für Biokunststoffe wird in den nächsten fünf Jahren um 20 % wachsen. Die Bemühungen um den Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft sowie die stärkere politische Unterstützung für die Bioökonomie und nicht zuletzt das gesteigerte Verbraucherbewusstsein für nachhaltige Produkte und Verpackungen tragen zu dem Wachstum bei“, sagt François de Bie, Vorsitzender von European Bioplastics.

 In den kommenden Jahren sollen die weltweiten Produktionskapazitäten für Biokunststoffe von rund 2,05 Mio. t im Jahr 2017 auf etwa 2,44 Mio. t bis 2022 ansteigen. Innovative Biopolymere wie PLA (Polylactide) und PHA (Polyhydroxyalkanoate) sind die größten Wachstumstreiber im Bereich der biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffe. PHA ist nach langer Zeit der Entwicklung nun in kommerziellen Mengen auf dem Markt erhältlich, so heißt es. Die Produktionskapazitäten für PHA werden in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich um das Dreifache steigen. Diese Polyester sind 100 % biobasiert, biologisch abbaubar und besitzen abhängig ihrer chemischen Zusammensetzung eine Fülle an Eigenschaften.

 Die Produktionskapazitäten für PLA verzeichnen ebenfalls ein starkes Wachstum und werden bis 2022 voraussichtlich um 50 % ansteigen. PLA ist ein vielseitiges Material mit Barriereeigenschaften, das in verschiedenen leistungsfähigen Sorten erhältlich und damit ein guter Ersatz für PP (Polypropylen), PS (Polystyrol) und ABS-Kunststoffe in anspruchsvolleren Anwendungen. Biobasierte, haltbare Kunststoffe, wie die sogenannten Drop-in Lösungen biobasiertes PE (Polyethylen) und biobasiertes PET (Polyethylentherephthalat) sowie biobasiertes PA (Polyamide), machen derzeit rund 56 % (1,2 Mio. t) der weltweiten Produktionskapazitäten von Biokunststoffen aus.

 Die Produktion von biobasiertem PE soll aufgrund neuer geplanter Kapazitäten in Europa weiter ansteigen. Der angekündigte Ausbau der Kapazitäten für PET wurde nicht wie in den vergangenen Jahren vorhergesagt realisiert. Stattdessen verlagert sich der Fokus auf die Entwicklung von PEF (Polyethylenfuranoat), einem neuen Polymer, das voraussichtlich 2020 am Markt erhältlich sein wird. PEF ist vergleichbar mit PET, jedoch 100 % biobasiert und weist verbesserte Barriere- sowie thermische Eigenschaften auf und eignet sich für die Verpackung von Getränken, Nahrungsmitteln und Non-Food-Artikeln. Biobasiertes PP (Polypropylen) sollen ebenfalls spätestens 2022 in kommerziellen Mengen auf dem Markt erhältlich sein. Auch hier rechnet man mit einem starken Wachstum.

 Verpackungen bleiben das führende Anwendungssegment für Biokunststoffe mit fast 60 % (1,2 Mio. t) Anteil am gesamten Biokunststoffmarkt im Jahr 2017. Die Daten zeigen laut European Bioplastics, dass Biokunststoffe bereits in vielen weiteren Bereichen eingesetzt werden, einschließlich Textilien, Gebrauchsgüter, Anwendungen im Automobil- und Verkehrsbereich sowie im Landwirtschafts- und Gartenbereich.

 Laut den Daten der Marktauswertung bleibt Asien weiterhin die zentrale Produktionsstelle. Über 50 % aller Biokunststoffe wurden 2017 in Asien produziert. Rund ein Fünftel der Produktionskapazitäten sind in Europa angesiedelt. Dieser Anteil wird bis 2022 voraussichtlich auf ein Viertel ansteigen. Der Entschluss der Europäischen Kommission zum Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft setzt wichtige Impulse für das Wachstum und die Entwicklung der Biokunststoffbranche in Europa, so heißt es.

 Die Landnutzungsfläche für den Anbau nachwachsender Rohstoffe zur Produktion von Biokunststoffen belief sich im Jahr 2017 auf rund 0,82 Mio. ha. Dies entspricht einem Anteil von weniger als 0,02 % der weltweiten Landwirtschaftsfläche von 5 Milliarden ha, wovon 97 % als Weidefläche sowie für den Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln genutzt werden. Trotz des prognostizierten Wachstums der Produktionskapazitäten von Biokunststoffen in den kommenden fünf Jahren wird der Anteil der Landnutzungsfläche bei rund 0,02 % bleiben. Dies verdeutlicht, dass zwischen dem Anbau nachwachsender Rohstoffe für Nahrungs- und Futtermittel und für die Herstellung von Biokunststoffen keine Konkurrenz besteht.

 „Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat sich die Biokunststoffindustrie zu einer innovativen und schnell wachsenden Branche entwickelt“, sagt de Bie. „Wir beobachten eine steigende Zahl großer Marken und Unternehmen, die von fossilen auf biobasierte oder biologisch abbaubare Kunststofflösungen für Ihre Produkte umsteigen. Diese Unternehmen reagieren auf die steigende Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten sowie den generellen Wandel im Bewusstsein über die Umweltauswirkungen unserer Kaufentscheidungen. Die Biokunststoffindustrie ist in der Lage, der wachsenden Nachfrage aufgrund erheblicher Investitionen in die Forschung und Entwicklung von biobasierten Produktlösungen für eine Kreislaufwirtschaft nachzukommen, angeführt von den vielen innovativen, kleinen und großen Unternehmen unserer Branche.“

 Die Marktdaten 2017 wurden in Zusammenarbeit mit dem nova-Institut erhoben. Die Daten für die weltweiten Produktionskapazitäten von Biokunststoffen basieren auf der Marktstudie “Bio-based Building Blocks and Polymers” des nova-Instituts. Erläuternde Marktdatengrafiken sowie der Marktdatenreport 2017 können unter http://www.european-bioplastics.org/news/multimedia-pictures-videos/ und http://www.european-bioplastics.org/market/ eingesehen und heruntergeladen werden.

www.european-bioplastics.org
www.nova-institut.de
www.bio-based.eu

Verfassen Sie jetzt einen Kommentar zu diesem Artikel