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30. April 2021

Nachwuchsförderung: Was Lehrkräfte über Kunststoff wissen sollten

Ein Fortbildungsseminar der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) und des Kunststoff-Clusters der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria gab Lehrkräften im April 2021 einen objektiven und fachlich fundierten Einblick in die Kunststoffbranche.

Für Lehrkräfte und Lehrlingsausbildner bietet der KC eine kostenfreie Lehrmittelbox an, die aufzeigen soll, welche Produkte aus Kunststoffen gefertigt werden können. (Quelle: Business Upper Austria)Für Lehrkräfte und Lehrlingsausbildner bietet der KC eine kostenfreie Lehrmittelbox an, die aufzeigen soll, welche Produkte aus Kunststoffen gefertigt werden können. (Quelle: Business Upper Austria)

Ziel der Fortbildung war es vor allem, die spannenden Berufschancen in diesem Wirtschaftszweig aufzuzeigen. Außerdem wurden Kreislaufwirtschaft, Verpackung und Nachhaltigkeit veranschaulicht. Das Ziel: Kunststoff soll aus einem objektiven und fachlich fundierten Blickwinkel betrachtet werden. Der Kunststoff-Cluster bietet zudem für Lehrkräfte und Lehrlingsausbildner eine Lehrmittelbox an. In der Fortbildungsveranstaltung im April ging es um folgende Themen:

Karriere mit Lehre – ein Beispiel aus der Praxis

Wie eine moderne Lehrlingsausbildung in der Kunststoffbranche aussieht, stellte Bruno Klampferer vom Greiner Ausbildungszentrum vor. Greiner mit Sitz in Kremsmünster ist ein weltweit tätiger Anbieter von Kunststoff- und Schaumstofflösungen. Unter dem Dach der Greiner AG sind die vier operativen Sparten Greiner Packaging, Greiner Bio-One, Neveon (ehemals Greiner Foam) und Greiner Extrusion in unterschiedlichsten Branchen tätig. Derzeit bildet Greiner 105 Lehrlinge in sieben Lehrberufen aus, 50 % davon im Lehrberuf Kunststofftechnik. Darüber hinaus aber auch: Metalltechnik, Elektrotechnik, Mechatronik, Prozesstechnik, Konstruktion und IT-Technik.

Greiner gestaltet die Ausbildung in über 70 Modulen. Im Fokus stehen Digitalisierung und Automatisierung. „Die Lehrlinge nutzen moderne Maschinen und Geräte für die Ausbildung, denn sie müssen ja später auch mit den neuen Maschinen umgehen können“, erzählt Klampferer. Um die Digitalisierung voranzutreiben, rüstet Greiner alle Lehrlinge seit 2019 mit Laptops aus. Für ein völlig neues Lernerlebnis sorgen Mixed-Reality-Anwendungen in der Ausbildung. Die Lehrlinge können mit Hololens-Brillen virtuell Teile ansehen und vergrößern, in die Teile hinein gehen oder einen virtuellen Maschinenrundgang machen. „Unsere Lehrlinge sind begeistert davon“, sagt Klampferer.

Nachhaltige Kunststoffverpackungen für die Lebensmittelbranche

Stephan Laske, Leiter der F&E bei Greiner Packaging, beschäftigt sich seit 15 Jahren mit nachhaltigen Verpackungslösungen. Das Thema benötigt eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Der Experte sieht vier Lösungsansätze für nachhaltige Verpackungslösungen: Materialeinsparung, CO2-Einsparung, Einsatz von Recyclingmaterial und die Verbesserung der Recyclingfähigkeit. Greiner arbeitet intensiv an der Entwicklung von Verpackungen, die möglichst wenig Rest-Füllgut zulassen. Größte CO2-Einsparungen sind durch den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen möglich, wobei Greiner Primärfrüchte ablehnt und auf Abfallmaterial (Stroh, Baumrinde) setzt, damit keine Konkurrenz zu Lebensmitteln entsteht.

Kunststoffrecycling – Reststoffe erfolgreich wiederaufbereitet

Kunststoffe sind nicht „böse“. Richtig gesammelt, sortiert und aufbereitet, sind sie ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Wirtschaft: Das sind die Kernaussagen von Bernhard Baumberger, Geschäftsführer der Walter Kunststoffe GmbH. Er beschrieb im Detail den Prozess des Folienrecyclings am Standort in Wels. Produkte wie Scheinwerfergehäuse für Premiumfahrzeuge, Kunststoffpaletten, Kanister, Mehrwegtaschen, Müllsäcke werden aus den Recyclingkunststoffen der Walter Kunststoff GmbH hergestellt.

Das zweite Leben der Autoreifen

„Früher waren Altreifen ein Entsorgungsproblem und wurden deponiert“, berichtete Christian Zirgoi, Geschäftsführer der KIAS Recycling GmbH. KIAS betreibt in Ohlsdorf die einzige Altreifen-Recyclinganlage Österreichs und kann mit 30.000 Tonnen jährlich die Hälfte des österreichischen Altreifenaufkommens wiederaufbereiten. Aus dem Gummi werden Granulate für Anwendungen wie Gummimatten in Autos, Bodenbeläge, Kunstrasen, Dämmmatten oder auch Kugelfanggranulat für Schießanlagen hergestellt.

Anforderungen im Lebensmittelhandel an nachhaltige Kunststoffverpackungen

Wurden in den 1950er Jahren noch über 40 % des Haushaltsbudgets für Lebensmittel ausgegeben sind es derzeit nur mehr rund 11 %. Früher wurden Grundnahrungsmittel eingekauft und im Haushalt verarbeitet. Durch den gesellschaftlichen Wandel greift man jetzt nun auf vorverarbeitete Lebensmittel zurück und Verpackungen sind deshalb essentiell geworden. „Selbstbedienung, Lebensmittelschutz und Frische sind im Lebensmittelhandel ohne Kunststoff derzeit nicht denkbar. Man kann Kunststoff zwar einsparen, aber nicht vermeiden“, so Lukas Wiesmüller, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit bei der Spar Österreichische Warenhandels AG. Spar wolle gemeinsam mit Konsumenten Plastik einsparen, aber bewusst kein „Raus aus Plastik“. Das Unternehmen setze vielmehr darauf Überverpackungen zu vermeiden, Materialstärken zu reduzieren oder recyclingfähige Verpackungen zu forcieren. „Kunststoff hat wichtige Funktionen für Lebensmittel und kann die ökologischste Verpackung sein. Wichtig ist die richtige Verpackung für den jeweiligen Zweck“, fasste Wiesmüller zusammen.

Kunststoff in der Zirkulärwirtschaft

Wie können Materialen möglichst lange im Kreislauf gehalten werden? Das ist ein Forschungsthema von Prof. Dr. Erik G. Hansen von der JKU Linz. Ziel muss sein, aus gemischten Plastikabfällen des gelben Sackes wieder hochwertige Produkte herstellen zu können. Ein wichtiger Hebel, um die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben, ist das Produktdesign (Design for Recycling). Viele Produkte müssen in Hinblick auf die Kreislaufwirtschaft völlig neu entwickelt werden. Dies kann nur gelingen wenn die gesamte Wertschöpfungskette (Hersteller, Handel, Konsumenten, Verwerter, etc.) gemeinsam an einem Strang ziehen.

„Wir möchten Menschen aus dem Bildungsbereich sensibilisieren, dass Kunststoff ein hervorragender, universell einsetzbarer und nachhaltiger Werkstoff ist, wenn man mit ihm richtig umgeht und ihn als Wertstoff erkennt. Kreislaufwirtschaft ist in unserer Branche kein Lippenbekenntnis, sondern Realität“, begründet Jürgen Bleicher, Projektmanager im Kunststoff-Cluster das Engagement von Business Upper Austria. Der KC bietet für Lehrkräfte und Lehrlingsausbildner außerdem eine Lehrmittelbox an, die aufzeigen soll, welche Produkte aus Kunststoffen gefertigt werden können. Die kostenlose Box kann im Büro des KC im Techcenter Linz abgeholt werden.

www.wko.at
www.biz-up.at

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