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29. Juni 2021

Wickert: Wandel vom Pressenhersteller zum Komplettanbieter

Das Familienunternehmen Wickert Maschinenbau GmbH mit Sitz in Landau/Pfalz wandelt sich nach eigenen Angaben vom Hersteller kundenspezifischer Pressen zum Komplettanbieter für die Composite-Fertigung. Damit reagiere man auf die steigende Nachfrage nach ergänzenden Dienstleistungen rund um die Planung und Entwicklung von Pressensystemen, so heißt es.

Aus Organosheets werden am Forschungsinstitut Neue Materialien Bayreuth 3D-Bauteile. Im Bild eine Composite-Presse für Hochleistungsthermoplaste mit Verarbeitungstemperaturen von bis zu 450 °C.  (Quelle: Wickert).

Aus Organosheets werden am Forschungsinstitut Neue Materialien Bayreuth 3D-Bauteile. Im Bild eine Composite-Presse für Hochleistungsthermoplaste mit Verarbeitungstemperaturen von bis zu 450 °C. (Quelle: Wickert).

Laut Unternehmen reicht das breite Leistungsspektrum von der Bauteilentwicklung über Konzept- und Machbarkeitsstudien bis hin zur Gesamtplanung und Generalunternehmerschaft für komplette Fertigungslinien einschließlich Turnkey-Lösungen. Damit will Wickert seinen Kunden eine hochproduktive Composite-Verarbeitung aus einer Hand anbieten.

Wachstumsimpulse erwarte man von einer zunehmenden Fertigungsautomation und dem vermehrten Wunsch nach größerer Anlagenflexibilität durch zusätzliche Injektionseinheiten. Daneben rechne man damit, dass verstärkt Thermoplaste verarbeitet werden, und sehe ein Potenzial beim Einsatz von Naturfasern und Naturharzen. Bei allen vier Trends sieht sich Wickert gut aufgestellt.

Unterstützung sei schon in der frühen Phase der Entwicklung von Bauteilen und durch Machbarkeitsstudien gefragt, denn den Composite-Herstellern mangele es teilweise an Ingenieurkapazitäten, erklärte Steve Büchner, Vertriebs- und Projektmanager bei Wickert: „Aufgrund unserer Erfahrung aus der Fertigung können wir bereits hier wertvolle Tipps geben.“ Die Pfälzer Maschinenbauer profitieren dabei von ihrer langjährigen Erfahrung bei der Integration kundenspezifisch gefertigter Pressen in Composite-Fertigungslinien.

Mittlerweile nutzt Wickert dieses Know-how, um in eigener Verantwortung komplette Anlagen anzubieten, so Büchner: „Wir wissen, welche ergänzenden Komponenten mit unseren hohen Qualitätsansprüchen übereinstimmen und wie wir diese perfekt harmonisieren können.“ Dank dieser Kenntnis sei man auch in der Lage, Interessenten auf Wunsch Turnkey-Lösungen anzubieten. Eine Ausweitung des eigenen Produktportfolios sei hierfür nicht notwendig.

Dachhimmel für Pkws werden auf Pressen von Wickert wie dieser WKP 1500 S teilweise bereits mit Composites gefertigt, die naturfaserverstärkte Kunststoffe enthalten. (Quelle: Wickert)

Dachhimmel für Pkws werden auf Pressen von Wickert wie dieser WKP 1500 S teilweise bereits mit Composites gefertigt, die naturfaserverstärkte Kunststoffe enthalten. (Quelle: Wickert)

Bei der Planung von Komplettanlagen unterstützt eine eigene Entwicklungsabteilung, die individuelle Konzepte für Automation und Sonderlösungen konzipiert. Dadurch lassen sich Anlagen mit einer durchgängig automatisierten Produktion realisieren. „Außerdem können wir Pressen und Peripheriekomponenten mit weiteren Anlagenteilnehmern und übergeordneten Prozessleitsystemen im Sinne einer Smart-Factory vernetzen“, sagte Büchner.

Verstärkt registriere das Unternehmen bei Kunden den Wunsch, Composite-Pressen flexibel für unterschiedliche Anwendungen zu nutzen. Hierzu lassen sich die Pressen bereits heute mit wenig Aufwand um zusätzliche Module für Injektionsprozesse wie RTM (Resin Transfer Moulding) und RIM-(Reaction Injection Moulding) sowie Polyurethan-Spritzaggregate erweitern.

Wachstumschancen erwartet Wickert darüber hinaus angesichts eines wachsenden Interesses am Einsatz thermoplastischer Matrixsysteme. Vor allem das thermoplastische Umformen von Organosheets ist dem Unternehmen zufolge im Kommen. Denn damit lassen sich hochgenaue Serienbauteile in stabilen, vollautomatisierten Prozessen fertigen – mit deutlich kürzeren Zykluszeiten als bei Duroplasten.

Eher mittelfristig schätzt das Unternehmen das Marktwachstum bei naturfaserverstärkten Kunststoffen (NFK) wie Flachs, Hanf, Jute, Sisal und Kenaf sowie Naturharzen auf Pflanzenölbasis ein. Neben der im Prinzip unendlichen Verfügbarkeit seien vor allem die im Vergleich zu Glas- oder Kohlenstofffasern hervorragende Kompostierbarkeit und stabile Preise wichtige Pluspunkte. Allerdings hänge der Erfolg der NFK nach Büchners Einschätzung von einer breiteren Kundenakzeptanz ab. Die Anlagen für die Produktion seien dagegen schon vorhanden, da Naturmaterialien bereits heute auf Pressen von Wickert verarbeitet werden können.

www.wickert-presstech.de

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