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11. Oktober 2021

wdk: Automobilzulieferer am Rande des Abgrunds

Wie der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie e. V. (wdk) berichtet, erreichen den Verband aus den verschiedensten Automobilzuliefer-Industriebranchen Meldungen über existenzbedrohende Liquiditätsengpässe.

„Die Automobilhersteller nehmen die von ihnen bestellten Teile nicht ab, obwohl die Zulieferer auf Basis dieser Bestellungen ihre Produktion trotz massiver Rohstoff-Preissteigerungen aufrechterhalten haben. Das zerreißt die Unternehmen“, so Boris Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des wdk. „Wenn wir nicht schnellstmöglich zu einem anderen Umgang miteinander finden, so erleben wir bis Weihnachten eine Insolvenzwelle bei kleinen und mittelständischen Automobilzulieferern“, so Engelhardt.

Die Stillstände bei den Automobilherstellern aufgrund fehlender Halbleiter seien öffentlich bekannt. Weit weniger beachtet werde die sich zuspitzende Situation bei den Automobilzulieferunternehmen: Die Lager seien voll, die Liquidität der Unternehmen sei so gebunden. Banken zeigten aktuell wenig Bereitschaft, kurzfristig weitere Kredite zu gewähren. Bis zum Jahresende werde es in der Lieferkette zu Insolvenzen und Lieferabrissen kommen, so die mit der Situation vertrauten Experten.

„Wir erhalten Meldungen, dass es nicht ‚Fünf vor Zwölf‘, sondern ‚Fünf nach Zwölf‘ ist“, so Engelhardt weiter. „Das Wohlgefühl der aktuellen Konjunkturwahrnehmung trügt. In der Automobilbranche verschärft sich gerade für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) die Situation erheblich.“

Aus Sicht von Engelhardt müssen die Einkaufsabteilungen der Automobilhersteller und ihre Zulieferer ganz zeitnah und offen miteinander kommunizieren. „Bestellungen müssen verbindlich mehrere Wochen im Voraus festgelegt und tatsächlich abgerufen werden. Ein Produzieren auf Halde, in der Hoffnung, dass die bisherigen Stillstände in einer ungewissen Zukunft ausgeglichen werden, ist existenzbedrohend“, so Engelhardt. Es sei dringend erforderlich, dass die Automobilhersteller die Liquidität der Zulieferer durch Teilzahlungen, z. B. von bereits angefallenen Projekt- und Werkzeugkosten oder durch finanzielle Beteiligung an der Rohstoffbeschaffung stützten. Andernfalls würden der aktuellen Halbleiter-Knappheit weitere Mangelbereiche folgen.

„Am Beispiel japanischer Automobilhersteller zeigt sich, dass auch in der aktuellen Situation eine bessere Kommunikation zwischen Automobilherstellern und Zulieferunternehmen möglich ist. Hersteller und Zulieferer müssen schnellstmöglich das Miteinander stärken und gemeinsam Problemlösungen finden. Und zwar jetzt!“, so Engelhardt abschließend.

www.wdk.de

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