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Gastgeber und Allod Geschäftsführer Kurt Gebert führte durch das Programm des XXIII. Werkstoff- und Technologie-Seminars. (Quelle: GV)

13. Dezember 2021

„Das Handy liegt schon in der Wiege“ – 23. Allod Werkstoff- und Technologie-Seminar ganz im Zeichen der Trendthemen Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft

Ende November lud der Compounding-Experte Allod zu seinem Werkstoff- und Technologie-Seminar nach Rothenburg o. d. Tauber ein. Das Programm der 23. Auflage dieser traditionsreichen Veranstaltung enthielt wie immer ein breit gefächertes Themenspektrum, das von Digitalisierung in der Spritzgießtechnik über Polyurethane als Schlüsselmaterialien für automobilen Leichtbau bis zu Sortiertechnologien in der Kreislaufwirtschaft reichte. Das Seminar wurde, den aktuellen Corona-Zahlen Rechnung tragend, als Hybridveranstaltung angeboten. Etwa 30 Teilnehmer hatten sich vor Ort im Forum der Stadt Rothenburg eingefunden. Ca. 45 weitere verfolgten die Vorträge und die regen Diskussionen online, wobei einige ihr Bedauern darüber zum Ausdruck brachten, dass die digitale Teilnahme leider den Genuss der aus allerbesten fränkischen Leckereien bestehenden Bewirtung ausschließt. Die Teilnahme am Allod Werkstoff- und Technologieseminar – egal ob vor Ort oder online - war auch 2021 wie üblich nur auf Einladung möglich.

Nachdem Allod-Geschäftsführer Kurt Gebert die Teilnehmer im Auditorium und an den heimischen Monitoren begrüßt hatte, berichtete Dr. Thorsten Thümen über ein Digitalisierungsprojekt bei der Sumitomo (SHI) Demag Plastics Machinery GmbH, Schwaig. U.a. ist hier ein System zur Einrichtung und Optimierung von Prozessen, die Einführung einer Material- und Wissensdatenbank sowie die Integration von Simulationstools für erweiterte Einstellungen und tiefere Einblicke in den Spritzgießprozess vorgesehen mit dem Ziel, eine intelligente Spritzgießmaschine zu bauen, die basierend auf AI-Prinzipien selbstständig Vorhersagen über Teilequalität, Maschinenverschleiß oder Ausfälle tätigen und online Optimierungen vornehmen kann.

Die hybride Kommunikation, hier beim Vortrag von Dr. Cristina Bergmann, funktionierte reibungslos. (Quelle: GV)Die hybride Kommunikation, hier beim Vortrag von Dr. Cristina Bergmann, funktionierte reibungslos. (Quelle: GV)

Wolfgang Ehnert vom Automobilzulieferer und Polyurethanspezialisten Fehrer Automotive GmbH, Kitzingen, berichtete über das Leichtbaudachmodul des Smart ForTwo. Die Besonderheit bei diesem Projekt war, dass CSM-Teile bislang üblicherweise im Interior eingesetzt wurden. Fehrer schaffte es, mithilfe des Maschinenpartners Hennecke im PUR-CSM-Verfahren ein Polyurethan-Papierwaben-Sandwich zu produzieren, das sämtliche Anforderungen erfüllte. Durch Einsatz von Textilien, Holz oder Alu anstelle der thermoplastischen Folie können auf Wunsch verschiedene Dekors erzielt werden. Auch ist es möglich, mithilfe von magnetisch im Serienwerkzeug fixierten Einlegern individualisierte Gestaltungen bis zu „Stückzahl 1“ zu produzieren.

Dr. Cristina Bergmann von der Hamburger Hansen & Rosenthal GmbH & Co. KG. wurde für ihren Vortrag über verschiedene Ansätze für den Übergang zu erneuerbarem Kohlenstoff für eine nachhaltigere Automobilindustrie online ins Auditorium zugeschaltet. Nach einem Überblick über die Strategien europäischer Automobil-OEMs zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor stellte sie die Nachhaltigkeitsziele ihres Unternehmens vor, die u.a. vorsehen, dass der Ölproduzent bis 2030 mehr als 70 % seiner Produkte auf Basis erneuerbarer Rohstoffe aufstellt (Biomasse, chemisches Recycling, CO2). In diesem Zusammenhang stellte sie die neue auf erneuerbaren Rohstoffen basierte Vivaspes Prozessöl-Serie vor, die in Compounding-Versuchen mit SEBS- und SBS-Compounds sehr gute Resultate erzielen konnte. Sie bieten insbesondere beim Einsatz in der Automobilindustrie einen signifikant niedrigeren Carbon Footprint und darüber hinaus sehr niedrige Fogging/VOC-Werte, eine niedrige Dichte und hohe UV-Stabilität.

Die zeitlich großzügig bemessenen Kaffepausen boten viel Raum für Gedankenaustausch unter den Teilnehmern vor Ort. (Quelle: GV)Die zeitlich großzügig bemessenen Kaffepausen boten viel Raum für Gedankenaustausch unter den Teilnehmern vor Ort. (Quelle: GV)

Dass das Recycling von Kunststoffen eigentlich ganz einfach ist, berichtete Charlotte Müller von der MKV GmbH Kunststoffgranulate, Beselich. Sie verwies nachdrücklich darauf, dass Kunststoffe nicht Teil des Problems seien, sondern Teil der Lösung um Klimaziele zu erreichen. Pauschale Plastikverbote sorgten lediglich dafür, dass es zu vermeintlich nachhaltigeren, aber völlig sinnlosen und sogar gefährlichen Materialsubstitutionen komme. (Beispiele: Unverpacktläden, Baumwollbeutel, Glasflaschen etc.) In der anschließenden Diskussion wies Kurt Gebert nochmals auf den VDI-Statusreport „Kunststoffe und deren Verwertung“ hin und gab zu bedenken, dass unter Umständen die thermische Verwertung von Kunststoffen ein sinnvoller Weg sein könne.

Wie unglaublich spannend Rheologie sein kann, stellte Prof. Dr. Manfred Wilhelm vom KIT, Institut für technische und Polymerchemie der Universität Karlsruhe, unter Beweis. In seinem außerordentlich engagierten und unterhaltsamen Vortrag entführte er die Zuhörer auf die molekulare Ebene und stellte kombinierte Methoden zur Polymercharakterisierung in Rheologie und SEC dar.

Henning Wilms vom Start-up Enlyze (Quelle: GV)Henning Wilms vom Start-up Enlyze (Quelle: GV)

Jan Hendrik Martens, Universität Paderborn KTP, berichtete über die Entwicklung eines PGSS-Systems zur Herstellung von Lasersinterpulver. Hintergrund der Entwicklung war, dass die Herstellung von Lasersinterpulver derzeit sehr teuer ist und die Herstellung via PGSS (= Particles from Gas Saturated Solutions) hier eine Lösung darstellen kann.

Dr. Harald Lehmann von der Firma Tomra Sorting GmbH, Mühlheim-Kärlich, informierte über Sortiertechnologien als Schlüssel für Qualitätsprodukte in der Kreislaufwirtschaft. Er zeigte anschaulich wie - so wörtlich - „stinkendender dreckiger Müll“ aufbereitet werden kann. Als Beispiel zeigte er den Weg einer Polypropylen-Fraktion aus der Sortieranlage über verschiedene Wasch- und Sortierprozesse bis hin zu Flakes mit einem Reinheitsgrad jenseits der 99 %, die nach VDA 270 zur Verwendung im Fahrzeuginnenraum geeignet sind.

Den Vortragsreigen schloss Henning Wilms von Enlyze GmbH, Köln-Ehrenfeld, ab mit Ausführungen zu Use Cases und Mehrwerten der Digitalisierung. Das aus der RWTH Aachen ausgegründete Start-up unterstützt mittelständische Unternehmen bei der erfolgreichen Digitalisierung ihrer Prozesse und bietet eine kombinierte Hard- und Softwarelösung, um Unternehmen bei der Optimierung der Qualität und Rentabilität ihrer Fertigung zu unterstützen.

https://allod.com/

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