GAK - Gummi Fasern Kunststoffe

Ausgabe 01 | 2017

Anzeigenkunde

Editorial
3
Die Macht des Postfaktischen

Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. hat es sich auch im vergangenen Jahr nicht nehmen lassen, wieder DAS Wort des Jahres zu küren. Es wurde am 9. Dezember 2016 bekannt gegeben. „Postfaktisch“ hat bei der Jury der GfdS das Rennen vor Brexit, Silvesternacht oder auch Trump-Effekt gemacht. Postfaktisch war mir, bis eine Kollegin in der Redaktion einen Exkurs dazu eröffnete, nicht gerade besonders geläufig, aber laut GfdS-Jury steht „nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität … bei der Wahl im Vordergrund“. Ich frage mich in diesem Zusammenhang zwar, wie Popularität ohne Häufigkeit auskommen kann, aber vielleicht fehlt mir einfach das Sprachverständnis der GfdS-Jury – ganz davon abgesehen, dass mir postfaktisch eher als Unwort daherkommt. Doch Letzteres ist noch durch „Gutmensch“ besetzt und wird voraussichtlich am 10. Januar 2017 aktualisiert. Sei es, wie es sei, zwischenzeitlich hat die Popularität des Worts postfaktisch erheblich zugenommen, die Medien quellen über mit Erklärungen, Deutungen, Beispielen und, und, und…


Postfaktisch – eine wundersame Wortschöpfung, wenn man versucht, sie mit rudimentär vorhandenen Lateinkenntnissen als „nach-faktisch“ oder „nach, hinter den Fakten“ zu übersetzen, wie verschiedentlich zu lesen ist. Etwas näher an dem Gemeinten liegt man wohl, wenn man die postfaktische Zeit als Folgeperiode einer Zeit der „Fakten, Fakten, Fakten“ interpretiert.


Leben wir demnach neuerdings in einem Zeitabschnitt, erleben einen gefährlichen Trend, in dem Fakten nicht mehr zählen, nur Verschweigen von Wahrheiten, Beugung von Wahrheiten, Verneinung von Wahrheiten, gefühlte Wahrheiten, Unwahrheiten zum Erfolg verhelfen, speziell in der Politik? Betrachtet man nur Trumps vergangenen Wahlkampf und den seiner Sympathisanten (es gibt keinen Klimawandel, vor Obama hat es keine Terroranschläge in den USA gegeben etc.), könnte man glauben, verhielte sich also gewissermaßen postfaktisch, man stünde einem neuen Phänomen gegenüber. Das ist nicht so, blickt man in die Vergangenheit zurück. Der Brexit-Wahlkampf wurde mit unsinnigen Behauptungen geführt, der Irak-Krieg mit Lügen gerechtfertigt – ganz zu schweigen von der Propaganda-Maschinerie des Dritten Reichs …


Warum machte gerade Trump so erfolgreich Furore? Liegt es, wie E. Kaeser in einem Gastkommentar (Googeln statt Wissen – Das postfaktische Zeitalter) für die Neue Zürcher Zeitung schon am 22.08.2016 meinte, an der „digitalen Welt“, in der „ein Permaregen der Informationen ganz zentrale Standards wie Objektivität und Wahrheit“ auswäscht – mit der „Folge einer Demokratie der ‚Nichtwissenwollengesellschaft‘“? Ist es halt bequemer, sich nicht kritisch mit Informationen, sondern unkritisch mit gefühlten Wahrheiten, die einem besser „in den Kram passen“, auseinanderzusetzen? Bleiben die den Tatsachen und Wahrheiten verpflichteten Individuen, Wissenschaftler, Journalisten u. a. zu sehr in ihren Elfenbeintürmen?


Vermutlich ja, aber wir alle können dem entgegenwirken, indem wir der digitalen Welt und der von ihr ausgelösten Informationsflut kritisch begegnen und uns um Objektivität und Wahrhaftigkeit bemühen – als Verhaltenskodex für das Jahr 2017. Ich wünsche uns viel Erfolg dabei.


Ihr
Ernst Debie

Aufsatz
14
Weltautomarkt 2017 – Wachstum durch SUV-Dominanz, positive wirtschaftliche Entwicklung und Trump-Effekte

Das Wachstum der Autoindustrie geht im Jahr 2017 weiter, wird allerdings weniger durch Innovationen als durch positive wirtschaftliche Entwicklungen angetrieben. China wird in diesem Jahr auch weiterhin der wesentliche Impulsgeber für das Weltautogeschäft sein. Während in den USA durch Trump-Effekte ein Wachstum zu erwarten ist, verläuft die Entwicklung in Europa durch Faktoren wie z. B. Dieselgate und andere Technologieverunsicherungen etwas gedämpfter.


The growth of the auto industry continues in 2017, but is driven less by innovation than by positive economic developments. This year, China will continue to be the main driver of the global automotive business. While growth is to be expected in the US due to Trump effects, the development in Europe is somewhat more subdued due to factors such as dieselgate and other technological uncertainties.

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28
Gummi braucht Schutz

Wenn der Gummi von Autoreifen brüchig wird, steht die Sicherheit des Fahrers auf dem Spiel. Alterungsprozesse, die durch Sauerstoff- oder Wärmeeinwirkung ausgelöst werden, verändern die Eigenschaften der Vulkanisate. Kautschukmaterialien unterliegen naturgemäß solchen Veränderungen, die im Laufe der Zeit zu ihrer teilweisen bzw. vollständigen Zerstörung führen können. Zu den möglichen Folgen zählen Depolymerisation, Materialermüdung, Sprödigkeit, Risse und sogar die völlige Zersetzung. Oxidations- und Ozonschutzmittel wirken diesen Prozessen entgegen.


When the rubber of automobile tires becomes brittle, the driver’s safety is on the line. Aging processes, which are caused by oxygen or heat, change the properties of the vulcanizates. Rubbers generally are subject to such changes that occur in the course of time and can lead to partial or complete destruction. Possible consequences are depolymerization, fatigue, brittleness, cracks, and even disintegration. Antioxidants and antiozonants counteract these processes.

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Temperaturabhängiges Walzverhalten von Kautschukmischungen

In dem Artikel werden die Gummimischungsherstellung auf offenen Mischwalzwerken und die Parameter, die die Mischungsqualität beeinflussen, vorzugsweise aus historischer Sicht diskutiert. Insbesondere beschäftigt er sich mit den Auswirkungen der Temperatur und des Walzenspalts. Demnach sind als wichtigste Faktoren die Temperatur des Knetwulsts, dessen Größe wesentlich vom Walzenspalt abhängt, und die Abnahme der Mischungstemperatur jenseits des Walzenspalts anzusehen.


The rubber mixing process on open rolls and the parameters, which influence mixing quality, are discussed in the present article preferably from a historical point of view. In particular, it deals with the effects of temperature and the roll nip. Thus, the most important factors are the temperature of the bank, the size of which depends essentially on the nip, and the decrease in rubber temperature directly beyond the nip.

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36
Kopplung von zyklischen Betriebsfestigkeits­untersuchungen und Materialcharakterisierung zur Untersuchung der Elastomeralterung

Zyklische Ermüdungstests und Elastomercharakterisierung wurden kombiniert, um Veränderungen der Materialeigenschaften und der Netzwerkstruktur von Elastomeren während der thermischen Alterung zu untersuchen. Als Modellmaterial wurde ein mit Ruß gefüllter Naturkautschuk mit typischem Additivpaket verwendet. Die Proben wurden bei verschiedenen Temperaturen in Luft oder unter Stickstoffatmosphäre gealtert. Die Lebensdauer in Anzahl der Zyklen bis zum Versagen (Wöhler-Kurven) wurde aus kraft- und weggeregelten Ermüdungsversuchen an S2-Proben für unterschiedliche Intensitäten der thermischen Alterung bestimmt. Änderungen der mechanischen Eigenschaften und der Vernetzungsdichte wurden aus Zugprüfungen, dynamisch-mechanischer Analyse, Spannungsrelaxations­experimenten, Messungen der Druckverformung, Quellungsmessungen und Festkörper-NMR ermittelt. Die Veränderung der Netzwerkdichte durch thermische Alterung wird auf das Wechselspiel der Bildung neuer Vernetzungsstellen und Kettenspaltung zurückgeführt. Die mittlere Molmasse der Netzwerkketten zeigte sich als geeigneter Parameter zum Vergleich verschiedener Charakterisierungsmethoden. Nach einer anfänglichen Abnahme der Molmasse zwischen zwei Vernetzungspunkten durch Nachvernetzung folgt eine Zunahme durch Kettenspaltung. Ein ähnlicher Trend wurde für die Lebensdauer in Anzahl der Zyklen bis zum Versagen (N) in kraftkontrollierten Ermüdungstests gefunden: Nach einem Anstieg von N nach kurzen Alterungszeiten folgt eine Abnahme bei längeren Zeiten.


Cyclic fatigue testing and elastomer characterization were combined to study changes of material properties and network structure of elastomers by thermal aging. Natural rubber containing a typical additive package with carbon black was studied as model material. The samples were aged at different temperatures in air or under nitrogen atmosphere. The fatigue life in number of cycles (S-N-curves) was determined from force and displacement controlled fatigue tests on specimen after different times of thermal aging. Changes of mechanical properties and crosslink density were studied during and after thermal aging by tensile tests, dynamic mechanical analysis, stress relaxation experiments, measurements of compression setting, swelling measurements, and solid-state NMR. Changes in network density during thermal aging are related to the interplay between the formation of new crosslinks and chain scission. The average molecular mass of the network chains was found to be a suitable parameter for comparison of different characterization methods. An initial decrease in the molecular mass between two crosslinking points by post-curing is followed by an increase due to chain scission. A similar trend was found for fatigue life in number of cycles to failure (N) in force controlled fatigue tests: After an increase of N for short times of aging a decrease at longer aging times occurred.

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CNTs in Naturkautschukmischungen – Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit und der Füllstoffdispersion CNT-gefüllter NR-Mischungen durch Mischen in der Latexphase und in-situ Silanisierung

Mit Kohlenstoffnanoröhrchen (CNT) gefüllte Naturkautschukmischungen (NR) wurden sowohl herkömmlich im Innenmischer als auch in der Latexphase gemischt. Um die Füllstoff-Kautschuk Wechselwirkungen zwischen der CNT-Oberfläche und den Kautschukmolekülen zu verbessern, wurden die CNT durch in-situ Behandlung mit dem Silankopplungsagenz Bis(triethoxysilylpropyl)tetrasulfid (TESPT) funktionalisiert. Die Pfropfung der TESPT-Moleküle auf den CNT-Oberflächen wurde durch ATR-FTIR-Untersuchungen und durch die erreichte Verbesserung der Materialeigenschaften der Mischungen bestätigt. Um die verstärkende Wirkung der CNTs zu bewerten, wurden die Festigkeitseigenschaften der Vulkanisate bestimmt. Die elektrische Leitfähigkeit dieser Vulkanisate wurde gemessen, um die Ausbildung von CNT-Netzwerken (oder elektrisch leitfähiger CNT-Bindungen) in der Kautschukmatrix zu bewerten. Die Ergebnisse zeigen, dass die in der Latexphase aufbereiteten Mischungen, insbesondere die mit TESPT, bessere Festigkeitseigenschaften und höhere elektrische Leitfähigkeiten aufweisen, als die auf herkömmlichen Wege im Kneter hergestellten Mischungen. Die Perkolationsschwelle mit der niedrigsten Füllung, ca. 0,55 phr CNT, wurde mit den in der Latexphase hergestellten Mischungen erreicht. Dreidimensionale Netzwerkbildung der CNTs in der Kautschukmatrix wurde bei Zusatz von TESPT und in-situ Funktionalisierung gefunden. Die Verbesserung der Füllstoff-Kautschuk-Wechselwirkungen durch Zusatz von TESPT wurde mittels Temperature Scanning Stress Relaxation (TSSR) Messungen untersucht. Bestimmt wurden Relaxationsmodul und Relaxationsspektrum und daraus die Vernetzungsdichte errechnet.


Carbon nanotube (CNT) filled natural rubber (NR) composites were prepared by melt and by latex mixing methods. Also in-situ functionalization of CNTs with a silane coupling agent, namely bis(triethoxysilylpropyl)tetrasulfide (TESPT), was done to improve the filler-rubber interactions between CNT surfaces and rubber molecules. The grafting of TESPT molecules on CNT surfaces was confirmed by ATR-FTIR and by the improvement of composite properties. Tensile properties were determined to assess the reinforcement efficiency of the CNTs in the composites. Also, electrical conductivity of the composites was measured to assess the formation of CNT networks (or connected conductive CNT pathways) in the rubber matrix. The results indicate that the composites prepared by latex mixing, in particularly with the TESPT, had better tensile properties and electrical conductivities than the composites made by melt mixing. The lowest percolation threshold concentration, about 0.55 phr of CNTs, was observed in the latex-CNT composites, and three-dimensional network formations of CNTs in the rubber matrix were found with added TESPT, used by in-situ functionalization. The improvement of filler-rubber interactions with the addition of TESPT was also examined by Temperature Scanning Stress Relaxation (TSSR) measurements revealing the relaxation modulus, the relaxation spectrum, and an estimate of the crosslink density.

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Bericht
18
Konjunktur 2017: Vor leichter Frühjahrsbelebung

Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Großbritannien werden im Jahr 2017 die wirtschaftlichen Koordinaten etwas anders lauten als bisher. Während im wichtigsten Partnerland der Bundesrepublik in Übersee die US-Regierung noch Feinarbeit über ihren wirtschaftspolitischen Kurs leisten muss, lastet gleichzeitig die britische EU-Strategie auf den europäischen Volkswirtschaften. Hierzulande steht im Herbst 2017 die Wahl eines neues Bundestages auf dem Programm, in deren Vorfeld die Unternehmen bei betrieblichen Entscheidungen eine abwartende Haltung einnehmen könnten.

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19
Der GFK-Markt Europa 2016 – Kontinuierliches Produktionsmengenwachstum fast aller Marktsegmente

Die Herstellungsmenge von glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) wächst in den betrachteten europäischen Ländern im Jahr 2016 wie im Vorjahr um 2,5 % auf eine Produktionsmenge von 1,096 Mio. t. Damit hat sich das Wachstum in diesem größten Segment der Faserverbundkunststoff- bzw. Composites-Industrie verstetigt. Der Composites-Markt ist sehr heterogen und von großen regionalen Unterschieden gekennzeichnet.

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22
Vorgeschmack auf die digitale Zukunft – Auf der K 2016 war „Industrie 4.0“ keine Vision mehr

Eigentlich hat jede Kunststoffmesse „K“ in Düsseldorf ihren ganz speziellen Schwerpunkt. Waren es in früheren Jahren Themen wie Energie sparen, Recycling, Metallocen-­Kunststoffe, vollelektrische Spritzgießmaschinen oder Mehrschichtextrusion, die im Fokus standen, so könnte die K 2016, wie sie vom 19. – 26. Oktober letzten Jahres mehr als 3 200 Aussteller und rd. 230 000 Besucher nach Düsseldorf lockte, als die „große Industrie 4.0-Show“ in die lange Geschichte der „K“ eingehen. Denn es war v. a. dieser Begriff, der zumindest bei den Maschinenbauern auf der Messe für Furore sorgte. Vorrangig die Hersteller von Spritzgießmaschinen, aber auch Fabrikanten von ­Extrusionsanlagen sowie diverse Geräteproduzenten demonstrierten in der NRW-Metro­pole, dass „Industrie 4.0“ nicht länger mehr bloße Fiktion oder Vision ist. Es war ein Vorgeschmack auf die digitale Zukunft, die sich hier für weite Bereiche der industriellen Fertigung abzeichnet. Kritische Stimmen allerdings waren auf dem vorgezeichneten Weg zur „smart factory“ kaum zu hören.

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Mehr Effizienz auf gleicher Fläche – LWB Steinl-Spritzgießtechnik bei Präzisa in Ratekau

Eine Zwischenbilanz über zehn Jahre Praxis mit dem EFE-Gummispritzgießsystem von LWB Steinl beim norddeutschen Gummi- und Siliconverarbeiter Präzisa in Ratekau bei Lübeck bestätigte die hoch angesetzten Erwartungen und übertraf sie noch durch zusätzliche positive Nebeneffekte. Ähnlich Positives wird aktuell von der Umstellung der Gummi-Kleinteilefertigung von der teilmanuellen Pressfertigung (CM und TM) auf die automatische Fertigung auf LWB Steinl-Mikrospritzgießmaschinen erwartet. Wie bereits bei der EFE-Technik setzt Präzisa künftig als einer der Ersten auf die neuen Möglichkeiten durch den Mikrospritzguss.

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